Regios- und Chiemgauer-Jubiläum

Prien am Chiemsee ist Ausgangspunkt einer besonderen Erfolgs-Geschichte: vor 15 Jahren entstand in der Freien Waldorfschule Chiemgau die Idee, mit dem Chiemgauer ein Regional-Geld einzuführen. Ein Schülerprojekt der 10. Jahrgangsstufe bearbeitete damals das Konzept von Wirtschafts- und Informatik-Lehrer Christian Gelleri. Nach der Gründung eines Trägervereins wurde vor zehn Jahren die Sozialgenossenschaft Regios eG als Rechenzentrale für den Chiemgauer gegründet. Heute betreut und bedient diese Aktions-Gemeinschaft über 4.000 Mitglieder, unter ihnen 500 Unternehmen und rund 300 gemeinnützige Vereine aus der Region der Landkreise Rosenheim und Traunstein.

 

Zum 15jährigen Jubiläum fanden sich Weggefährten und Interessierte über den Chiemgau hinaus im Mehrzweckraum-Neubau der Freien Waldorfschule im Chiemgau ein, unter ihnen waren Gäste und Fachleute aus Luxemburg, aus Österreich sowie aus Nord- und Ostdeutschland. Ehrengäste waren Peter Holzner als vormaliger Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank Prien und Stefan Nieß vom Vorstand der Sparkasse Traunstein. Beide regionale Bank-Institute unterstützten den Aufstieg der Alternativ-Währung bei der Kontoführung und Zahlungsabwicklung. „Einfach weiter so…, das ist uns zu wenig“ – mit diesen Worten begann der Chiemgauer-Vorsitzende Christophe Levannier seine Begrüßung und er zitierte Albert Einstein mit den Worten: „Ein Problem kann man nicht mit derselben Denkweise lösen, mit der es entstanden ist“. Damit sprach er die vielen Hürden an, die anfangs und bis zum nunmehrigen Erfolg zu bewältigen waren.

 

Zu diesem Erfolg gratulierten auch die Priener Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster und Alfred Schelhas. Schuster sagte in seinem Grußwort: „Der Chiemgauer hat das Licht der Welt in der Waldorfschule erblickt, genau an jenem Ort, an dem in dem früheren Kreiskrankenhaus Prien viele Kinder zur Welt kamen“. Wie weit der Chiemgauer bekannt ist, zeigte sich – so der Zweite Bürgermeister weiter – bei einem Besuch in der südfranzösischen Partnerstadt Graulhet. „Dort wurde ich auf den Chiemgauer angesprochen, seither besteht ein reger Austausch zu einer dortigen Regionalgeldinitiative mit dem Wunsch, zukünftig noch weiter auszutauschen“, sagte Hans-Jürgen Schuster. Eine weitere Gratulation kam von Manfred Mensch Mayer, Vorstand der Regionalgeld-Initiative Hallertauer. Zu dessen 15jährigem Bestehen im kommenden Jahr wurden die anwesenden Gäste nach Pfaffenhofen an der Ilm eingeladen.

 

Christian Gelleri sprach von den vielen guten Erfahrungen, die mit dem Geld-Kreislauf und mit der damit verbundenen Weitergabe des Regional-Gedankens bislang gemacht worden sind. Auch die Stadtwerke Rosenheim nehmen inzwischen als regionaler Stromanbieter am Chiemgauer-System teil. „Kooperieren statt Konkurrieren“ – so ist nach Gelleri die Haupt-Idee, Gemeinsames für die heimatliche Region bewirken. „In Krisenzeiten kann der Chiemgauer sogar eine alternative und tolle Ersatz-Währung werden“ – meinte Peter Holzner am Ende des jüngsten, von Kathrin Latsch (Regie) und Oliver Sachs (Kamera) gedrehten Chiemgauer-Films, der bei der Zusammenkunft zum 15jährigen Jubiläum Premiere hatte und großen Beifall bekam.

 

Lautes Lob gab es auch von Geschäftsführer Dr. Albert Pröbstl von der Freien Waldorfschule Chiemgau. „Anfangs hatte uns die Idee fast überfordert, heute sind wir dankbar, denn allein im Jahr 2017 erhielten wir für den Turnhallen-Bau 6.000 Euro aus dem Chiemgauer-Erlös“. Eine weitere Anerkennung gab es für Stefan Schütz, der sich musikalisch und textlich für das schlaue Währungsprojekt für eine gerechtere Wirtschafts-Welt unterhaltsam präsentierte. „Dass wir die fast schon revolutionäre Idee der Währungs-Gründung kurz nach der Euro-Einführung mitten in einer wirtschaftlich florierenden Region mit dieser überaus positiven Resonanz umsetzen konnten, das hatten wir nicht erwartet. Heute erfreuen wir uns nicht nur eines großen Netzwerkes, sondern auch allgemeiner und internationaler Zustimmung, so dass unser Projekt auch eine hohe Werbewirksamkeit für Prien hat“, so Christian Gelleri in seinen abschließenden Betrachtungen. Im Rahmen der Jubiläums-Veranstaltung gab es nach der Film-Premiere noch Workshops, Diskussionsrunden und Ausblicke für weitere Entwicklungen des Chiemgauer.

 

Chiemgauer können von Verbrauchern mit einem Wert von 1:1 gegen Euro gekauft werden. Teilnehmende Unternehmer können Chiemgauer gegen eine Gebühr in Höhe von 5 % („Regionalbeitrag“) in Euro zurück tauschen. Von den 5 % gehen 3 % an einen gemeinnützigen Verein. Welcher Verein gefördert wird, bestimmen Bürgerinnen und Bürger, die Euro in Regiogeld einwechseln. Die verbleibenden 2 % dienen dem gemeinwohlorientierten Betrieb des Chiemgauer.

 

Foto/s: Hötzelsperger – Eindrücke von der Feier „15 Jahre Chiemgauer“ in der Freien Waldorfschule Chiemgau, u.a. von links: Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster, der an Christian Gelleri und an Christophe Levannier eine Spende in der Chiemgauer-Währung von der Gemeinde Prien übergab.

 

Quelle: www.samerbergnachrichten.de (Der Link führt zu Fotos von der Veranstaltung.)